Case Study: Entwicklung entsteht im Dialog
Wie lässt sich bei einer hoch belasteten Querachse Gewicht einsparen, ohne bei der Funktion Abstriche zu machen? Mit dieser Fragestellung kam ein Kunde, der eine neue Generation von Cuttern entwickelt, auf uns zu. Die Maschinen schneiden unter anderem Stoff, Leder, Karton und Kunststoffe.
Ausgangspunkt des Projekts war ein Besuch unseres Vertriebsleiters beim Einkauf des Kunden. Rund drei Wochen später erhielten wir ein umfangreiches Pflichtenheft für die Führungen der Querachse. Eine zentrale Anforderung: Die bewegte Achse sollte leichter werden und gleichzeitig den hohen Belastungen im Betrieb zuverlässig standhalten. Im Vorfeld klärten wir mit dem Kunden, welche Vorteile er sich von der Neuerung versprach, beispielsweise höhere Dynamik, schnellere Verfahrbewegungen, geringeren Energiebedarf oder konstruktive Vorteile.
Nach unserer technischen Prüfung zeigte sich, dass unsere Alu-Linearschienenführungen die grundsätzlichen Anforderungen erfüllen. Ihre leichte Bauweise macht sie insbesondere für Anwendungen interessant, bei denen bewegte Massen reduziert werden sollen.
Von der technischen Prüfung in den Dauertest
Nach der Prüfung des Pflichtenhefts erstellten wir unser Angebot und nutzten einen weiteren Vor-Ort-Termin für die technische Abstimmung. Hier zogen wir unsere Produktionsleiterin hinzu, um die kundenspezifische Auslegung der Linearschienenführung von Beginn an gemeinsam aus Vertriebs-, Technik- und Fertigungssicht zu betrachten.
Seit Februar 2026 sind die Führungen rund um die Uhr in einer Testanlage im Einsatz. Die Querachse wird in regelmässigen Abständen vermessen, um mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Der Dauertest ist bewusst langfristig angelegt, denn bevor eine Komponente in eine neue Maschinengeneration übernommen wird, muss sie sich unter realistischen Bedingungen bewähren. Zu den Testkriterien zählen unter anderem Verschleiss, Toleranzen, Führungsgenauigkeit, Laufverhalten und etwaige Verformungen.
Die Konzeptphase läuft voraussichtlich noch bis in den Spätherbst dieses Jahres. Danach beginnt die Entwicklungsphase. Ab Anfang des kommenden Jahres sollen weitere drei bis fünf Prototypen mit unseren Führungen ausgestattet werden. Parallel dazu sind bei ein bis zwei weiteren Anlagen Langzeittests beim Hersteller vorgesehen. Der Start der Nullserie ist für Ende 2027 geplant.
Unser Vorgehen macht deutlich, was Entwicklungsarbeit in der Praxis bedeutet: Technisch passende Komponenten unter den tatsächlichen Bedingungen der späteren Anwendung zu prüfen, gemeinsam Erkenntnisse zu sammeln und die Lösung bei Bedarf weiterzuentwickeln.
Wer die Anwendung kennt, kann weiterdenken
Die Zusammenarbeit blieb jedoch nicht auf die Linearführungen beschränkt. Bei einem weiteren Besuch sprach unser Vertriebsleiter den Kunden auf die Kugelgewindespindeln an, die in den Schneidköpfen der Cutter eingesetzt werden. Dabei stellte sich heraus, dass der Kunde für diese Komponenten bereits seit einiger Zeit nach einer Second Source suchte. Kurz darauf erhielten wir die entsprechenden Zeichnungen und konnten ein Angebot ausarbeiten. Drei Testmuster werden aktuell in bestehenden Anlagen verbaut und getestet.
Aus einer ersten Anfrage zu Linearführungen sind somit zwei konkrete Entwicklungsprojekte entstanden. Resultierend aus dem engen persönlichen Austausch können wir eine Maschine, ihre Anforderungen und die Ziele unseres Kunden besser verstehen und desto systematischer die technischen Möglichkeiten erkennen und gemeinsam prüfen.
Dr. TRETTER versteht sich nicht nur als Lieferant einzelner Komponenten. Wir begleiten unsere Kunden bei der Suche nach passenden Lösungen, bringen unsere Erfahrung früh in Entwicklungsprozesse ein und bleiben auch während der Test- und Erprobungsphasen im Austausch.
Sie entwickeln eine neue Maschine oder möchten eine bestehende Konstruktion optimieren? Sprechen Sie mit uns über Ihre Anforderungen. Gemeinsam prüfen wir, welche Lösung zu Ihrer Anwendung passt.









